2. FSJ Kultur 2016/17

Moritz Rothhaar befasste sich in seinem eigenverantwortlichen Projekt mit politischem Extremismus. Daraus ist eine Übersicht entstanden, die als Grundlagenliteratur Eingang findet in die weitere pädagogische Arbeit mit Jugendlichen.

Auf beeindruckendem wissenschaftlichem Niveau erläutert Moritz das schwierige Thema. Er definiert zunächst, was „extrem“ (im lateinischen Wortsinne „das Äußerste“) bedeutet und dass „extremistisch“ in der Bundesrepublik Deutschland als „Bestrebung, die freiheitlich-demokratische Grundordnung abzulehnen oder zu beseitigen“ gesehen wird.

Anhand von vier interessanten Beispielen wird gezeigt, wer eigentlich als extrem gilt:

  • Die rechtsextremistische Kleinpartei „Der dritte Weg“ steht programmatisch der früheren NSDAP nahe und, da sie die „Wiederherstellung Deutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“ fordert, auch der sogenannten Reichsbürgerbewegung.
  • Mit der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) wird auch eine linksextremistische Partei vorgestellt, die früher finanziell und inhaltlich von der der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands abhängig war. Mit der deutschen Wiedervereinigung ist diese Unterstützung komplett weggefallen, dennoch vertritt die DKP ihre Positionen seit mehr als 30 Jahren quasi unverändert.
  • Als drittes Beispiel dient die Partiya Karkerên Kurdistanê (PKK); sie wird dem „Ausländerextremismus“ zugerechnet und ist eine sozialistisch ausgerichtete Partei, die für ein politisch autonomes Kurdistan kämpft. In der Osttürkei ist sie für Guerillakämpfe mit der türkischen Armee verantwortlich, in Deutschland fiel sie außer mit friedlichen Demonstrationen auch mit gewalttätigen Aktionen wie 1993 der Besetzung des türkischen Konsulats in München oder 2011 der Besetzung des Fernsehsenders RTL in Köln auf.
  • Der islamistische Extremismus mit seinen jihadistischen Terror-Organisationen ist insgesamt schwer fassbar. In Deutschland kann die Radikalisierung in Moscheen erfolgen, wo insbesondere junge Männer durch Missionierung radikalisiert werden. Sie sollen dann den gewaltsamen Kampf im Namen des Islam sowohl im Ausland als auch in der Bundesrepublik führen.

Warum radikalisieren sich Menschen? Zumeist hängt das mit einem Scheitern auf dem individuellen Lebensweg zusammen und mit der anschließenden Suche nach einem festen Halt. Wenn die eigene Welt in Scherben liegt, helfen eine einfache Erklärung, ein Weltbild, das einen Schuldigen bietet und ein klarer Weg mit einer Lösung für alle Probleme weiter und bestärken diese suchenden Menschen.

Die deutsche Gesellschaft muss sich weiter anstrengen, die demokratische Öffentlichkeit nicht vergiften zu lassen, denn durch Verdrängen und Ignorieren stärkt man extreme Positionen. Zur Prävention gegen Extremismus hilft nicht nur die Arbeit des Verfassungsschutzes, sondern auch gezielte Aufklärung und politische Bildungsarbeit, wie das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge Freudental sie bietet.

Seit 2016 wird die Freiwilligenstelle im PKC finanziell durch die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg gefördert.