Freudentaler Blätter 7

Freudentaler Adressbuch 1935 Band II

„Eines Tages ist die Frau Stein plötzlich nicht mehr dagewesen“

Steffen Pross

Mit dem zweiten Band des „Freudentaler Adressbuchs 1935“ knüpft Steffen Pross inhaltlich, methodisch und in seiner Ausstattung an den ersten Band an und erzählt die Geschichten der Familien Julius Jordan, Blum, Spatz, Marx, Ernestine Levi, Weil, Wertheimer, Löwe, Karoline Stein, Sara Stein, Moritz Stein und Sophie Levi.

Quellenbasis sind in erster Linie die im Staatsarchiv Ludwigsburg lagernden „Wiedergutmachungsakten“, die für Freudental erstmals vollständig ausgewertet wurden. Hinzu kommt weiteres Archivgut aus Ludwigsburg, dem Gemeindearchiv Freudental, dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart, den Landesarchiven in Karlsruhe und Sigmaringen, dem Bundesarchiv in Berlin, dem Niedersächsischen Landesarchiv Hannover sowie zahlreichen Stadt- und einigen Privatarchiven. Darüber hinaus wurden mehrere internationale Datenbanken in den USA, Israel und mehreren europäischen Staaten (u. a. Niederlande, Frankreich, Belgien und Polen) konsultiert.

Außerdem stehen zahlreiche private Dokumente – Korrespondenzen, Ausweispapiere, Zeugnisse, Fotos, private Aufzeichnungen  – zur Verfügung, da es gelungen ist, zu Nachfahren mehrerer jüdischer Familien aus Freudental Kontakt zu finden. Damit werden weitere Facetten der sozialen Diskriminierung, rechtlichen Ausgrenzung, wirtschaftlichen Ausschaltung und schließlichen Ausplünderung als auch der Vertreibung, Verfolgung und Ermordung plastischer oder neu sichtbar. Die Bedeutung von familiärer Vernetzung, sozialer Stellung, Alter und Gesundheit für die Überlebenschancen des Einzelnen wird noch deutlicher als im ersten Band allein. Den Lesern beider Bände eröffnet sich so am konkreten Beispiel eines schwäbischen Dorfes die Gesamtgeschichte des Holocaust und seiner Vorstufen, wobei insbesondere die privaten Zeugnisse bei aller wissenschaftlichen Nüchternheit und Akribie der Darstellung jene empathische Annäherung ans Thema ermöglichen, ohne die gerade ein junges Publikum nicht zu gewinnen wäre.

Hören Sie Rudolf Guckelsberger mit einem Ausschnitt aus den „Freudentaler Adressbüchern II“.

2013
Herausgeber: Pädagogisch-Kulturelles Centrum Ehemalige Synagoge Freudental
ISBN: 978-3-9809962-6-6
Preis: € 10,00


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